Donnerstag, 8. April 2021

RAINER MATSUTANI "Spides", LEXX-The Dark Zone und "Nicht über meine Leiche"

PERSÖNLICHES INTERVIEW 
im März 2021


Rainer Matsutani mit Bernd Eichinger    Foto: RedSunFilms 

Hallo Rainer.
Ich würde dir gerne nun ein paar Fragen stellen, die aber auch einen sehr persönlichen Bezug haben.

Denn damals, als wir uns kennenlernten, war für mich eine ganz neue Situation. Ich wollte Film lernen. 1995 lief dein Film "Nur über meine Leiche" beim Fantasy Filmfest in Berlin und 2 Wochen später auch in meiner damaligen  Heimat im Gloria Kino in Dillenburg (Hessen). In Berlin war auch die Hauptdarstellerin des Films Katja Riemann dabei und gab später im Foyer Autogramme (siehe Fotos).
Ich war jedoch mit einer bestimmten Mission zu der Vorstellung gekommen.  Nach einer unglücklichen Lehre zum Maler&Lackierer und einem anstrengenden Jahr Bundeswehr wollte ich einen Traum verwirklichen. Kinos zu besuchen, in denen Filmemacher ihre Werke vorstellten waren für mich der beste Kontakt für meine ersten Drehbuchideen.

So gab ich damals Katja Riemann ein Drehbuch-Treatment mit, weil ich dachte, so funktioniert die Branche. Bei dir heftete ich mich auch ran und wir waren auf dem Ku´damm noch etwas Essen. Du warst mit deinem Team unterwegs und ich setzte mich einfach dazu.  Ich schäme mich heute für dieses Vorgehen. Kannst du dich noch daran erinnern?


Rainer Matsutani: Ich habe gute Erinnerungen an den Abend.


Kurz vor der Premiere von "Nur über meine Leiche"
vor dem Film-Palast auf dem Kurfürstendamm
Foto: Dennis Albrecht


Doch wie kommt man nach deiner Meinung wirklich in die Branche? Geht es über Filmstudium, Kurzfilm als Referenz und dann Glück haben die richtigen Leute zu treffen?


Rainer Matsutani: Seit vielen Jahren ist der beste Weg über eine Filmhochschule: Ludwigsburg, HFF München, HFF Potsdam, DFFB. Weniger erfolgversprechend sind die anderen Unis, da die Anbindung an Branche und fehlendes Renommee fehlt 


Hätte mein Vorgehen auch Erfolg haben können?


Rainer Matsutani: Ja. Thomas Jahn hat Til Schweiger in einer Buchhandlung angesprochen und dann „Knocking on Heaven’s Door" gemacht. Tom Tykwer kam ohne Hochschule zum Film und ist seit Jahren der bekannteste Regisseur Deutschlands.



Du hast vor vielen Jahren das Fantasy Genre bereichert mit Formaten für das Kino und TV. Unter anderem hast du auch für „LEXX-The Dark Zone“ eine Episode inszenieren können. So wild das Format auch war, hat es dich weiter gebracht? Und wie können wir die Zeiten miteinander vergleichen? Jetzt in SPIDES kannst du ganz andere Effekte anbieten, ganz anderes Storytelling verwenden, oder?


Rainer Matsutani: LEXX war damals lustig zu machen aber ob es mich weiter gebracht hat? Ich weiß nicht. GENRE bringt einen in Deutschland generell nicht weit. Man landet eben in einer hierzulande unpopulären Nische, obwohl GENRE (SciFi, Fantasy, Horror) im Rest der Welt überaus populär ist. Schau dir einfach die Liste der 100 erfolgreichsten Filme weltweit an: 90% davon sind Genre-Filme.


Und du bist jetzt Showrunner. Ist das der große Vorteil, den man sich immer erhofft?


Rainer Matsutani: Ja, es war ein kreativer Neuanfang. Es war die totale künstlerische Kontrolle. Bei meinen Genre-Produktionen in Deutschland musste ich viele, sehr viele Kompromisse eingehen. Hauptsächlich, weil die beteiligten TV-Sender (auch bei den Kino-Co-Produktionen) einfach verdauliche Ware mit Altersfreigabe 12 brauchten. NUR ÜBER MEINE LEICHE war die Ausnahme, als Erstlingsregisseur hat man (meistens) einen Schuß frei.


SPIDES läuft nicht auf Netflix hat aber trotzdem eine gute Chance auf dem Streaming-Markt? 


Rainer Matsutani: Ja, SPIDES läuft derzeit auf Amazon Prime und in den USA auf Crackle. 



SPIDES Poster. Foto Red Sun Film
Ist jetzt somit die Chance größer, endlich deutsche Sci-Fi zu produzieren und besser zu verkaufen?


Rainer Matsutani: Ich denke ja. Die Streaming-Anbieter sind offen für Genres. Es ist ein neues Zeitalter angebrochen. Doch Jahrzehnte alte Vorbehalte gegenüber deutschem Genre muss abgebaut werden, das geht nicht gleich morgen. 


Wie siehst du die Chancen für Kinos in Zeiten der Pandemie? Glaubst du, sie kommen noch einmal wieder? Wenn ja, in welcher Form und mit welchem Auftrag könnte das sein?


Rainer Matsutani: Als jemand, der seine Initiation im Kino erlebte, ist der derzeitige langsame Tod des Kinos bitter. Ich weiß nicht, ob Kino (das schon zuvor heftigst litt) das überlebt.


Übrigens hat mir Katja Riemann tatsächlich auf mein Drehbuch eine Antwort geschrieben. Eine zwar salomonische aber trotzdem sehr ehrliche Einschätzung. Das mag ich an ihr. Hier ein kurzer Ausschnitt: ""Schreiben Sie einen Film, erzählen sie eine Geschichte für die Sie brennen. Versuchen Sie etwas mitzuteilen und spekulieren Sie nicht mit einem Trend, der sich aus anderer Notwendigkeit ergeben hat (Katja Riemann Pfingsten 1996)


Rainer Matsutani: Ja, Katja ist eine ehrliche Haut :)


Vielen Dank für das Gespräch.


Katja Riemann nach der Premiere im Foyer.
Foto: Dennis Albrecht


Lest auch das Kinogespräch zu der Premiere: 

KINOGESPRÄCH "Nur über meine Leiche"


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