Albrechts Film Café ist ein sehr persönliches Filmmagazin. Denn bei allen Filmgesprächen war ich persönlich dabei oder habe die Interviews selber geführt. Ein eigenes Café und ein Film-Magazin, beide Träume erfülle ich mir hier online. Viele Kinogespräche wurden als Gedächtnis-Protokoll geschrieben und dienten meiner filmischen Ausbildung.
Samstag, 10. April 2021
THOMAS BAUERMEISTER "Tausend Kraniche musst du falten"
Donnerstag, 8. April 2021
RAINER MATSUTANI "Spides", LEXX-The Dark Zone und "Nur über meine Leiche"
PERSÖNLICHES INTERVIEW
im März 2021
Rainer Matsutani mit Bernd Eichinger Foto: RedSunFilms
Hallo Rainer.
Ich würde dir gerne nun ein paar Fragen stellen, die aber auch einen sehr persönlichen Bezug haben.
Denn damals, als wir uns kennenlernten, war für mich eine ganz neue Situation. Ich wollte Film lernen. 1995 lief dein Film "Nur über meine Leiche" beim Fantasy Filmfest in Berlin und 2 Wochen später auch in meiner damaligen Heimat im Gloria Kino in Dillenburg (Hessen). In Berlin war auch die Hauptdarstellerin des Films Katja Riemann dabei und gab später im Foyer Autogramme (siehe Fotos).
Ich war jedoch mit einer bestimmten Mission zu der Vorstellung gekommen. Nach einer unglücklichen Lehre zum Maler&Lackierer und einem anstrengenden Jahr Bundeswehr wollte ich einen Traum verwirklichen. Kinos zu besuchen, in denen Filmemacher ihre Werke vorstellten waren für mich der beste Kontakt für meine ersten Drehbuchideen.
So gab ich damals Katja Riemann ein Drehbuch-Treatment mit, weil ich dachte, so funktioniert die Branche. Bei dir heftete ich mich auch ran und wir waren auf dem Ku´damm noch etwas Essen. Du warst mit deinem Team unterwegs und ich setzte mich einfach dazu. Ich schäme mich heute für dieses Vorgehen. Kannst du dich noch daran erinnern?
Rainer Matsutani: Ich habe gute Erinnerungen an den Abend.
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| Kurz vor der Premiere von "Nur über meine Leiche" vor dem Film-Palast auf dem Kurfürstendamm Foto: Dennis Albrecht |
Rainer Matsutani: Seit vielen Jahren ist der beste Weg über eine Filmhochschule: Ludwigsburg, HFF München, HFF Potsdam, DFFB. Weniger erfolgversprechend sind die anderen Unis, da die Anbindung an Branche und fehlendes Renommee fehlt
Hätte mein Vorgehen auch Erfolg haben können?
Rainer Matsutani: Ja. Thomas Jahn hat Til Schweiger in einer Buchhandlung angesprochen und dann „Knocking on Heaven’s Door" gemacht. Tom Tykwer kam ohne Hochschule zum Film und ist seit Jahren der bekannteste Regisseur Deutschlands.
Du hast vor vielen Jahren das Fantasy Genre bereichert mit Formaten für das Kino und TV. Unter anderem hast du auch für „LEXX-The Dark Zone“ eine Episode inszenieren können. So wild das Format auch war, hat es dich weiter gebracht? Und wie können wir die Zeiten miteinander vergleichen? Jetzt in SPIDES kannst du ganz andere Effekte anbieten, ganz anderes Storytelling verwenden, oder?
Rainer Matsutani: LEXX war damals lustig zu machen, aber ob es mich weiter gebracht hat? Ich weiß nicht. GENRE bringt einen in Deutschland generell nicht weit. Man landet eben in einer hierzulande unpopulären Nische, obwohl GENRE (SciFi, Fantasy, Horror) im Rest der Welt überaus populär ist. Schau dir einfach die Liste der 100 erfolgreichsten Filme weltweit an: 90% davon sind Genre-Filme.
Und du bist jetzt Showrunner. Ist das der große Vorteil, den man sich immer erhofft?
Rainer Matsutani: Ja, es war ein kreativer Neuanfang. Es war die totale künstlerische Kontrolle. Bei meinen Genre-Produktionen in Deutschland musste ich viele, sehr viele Kompromisse eingehen. Hauptsächlich, weil die beteiligten TV-Sender (auch bei den Kino-Co-Produktionen) einfach verdauliche Ware mit Altersfreigabe 12 brauchten. NUR ÜBER MEINE LEICHE war die Ausnahme, als Erstlingsregisseur hat man (meistens) einen Schuß frei.
SPIDES läuft nicht auf Netflix hat aber trotzdem eine gute Chance auf dem Streaming-Markt?
Rainer Matsutani: Ja, SPIDES läuft derzeit auf Amazon Prime und in den USA auf Crackle.
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| SPIDES Poster. Foto Red Sun Film |
Rainer Matsutani: Ich denke ja. Die Streaming-Anbieter sind offen für Genres. Es ist ein neues Zeitalter angebrochen. Doch Jahrzehnte alte Vorbehalte gegenüber deutschem Genre muss abgebaut werden, das geht nicht gleich morgen.
Wie siehst du die Chancen für Kinos in Zeiten der Pandemie? Glaubst du, sie kommen noch einmal wieder? Wenn ja, in welcher Form und mit welchem Auftrag könnte das sein?
Rainer Matsutani: Als jemand, der seine Initiation im Kino erlebte, ist der derzeitige langsame Tod des Kinos bitter. Ich weiß nicht, ob Kino (das schon zuvor heftigst litt) das überlebt.
Übrigens hat mir Katja Riemann tatsächlich auf mein Drehbuch eine Antwort geschrieben. Eine zwar salomonische aber trotzdem sehr ehrliche Einschätzung. Das mag ich an ihr. Hier ein kurzer Ausschnitt: ""Schreiben Sie einen Film, erzählen sie eine Geschichte für die Sie brennen. Versuchen Sie etwas mitzuteilen und spekulieren Sie nicht mit einem Trend, der sich aus anderer Notwendigkeit ergeben hat (Katja Riemann Pfingsten 1996)
Rainer Matsutani: Ja, Katja ist eine ehrliche Haut :)
Vielen Dank für das Gespräch.
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| Katja Riemann nach der Premiere im Foyer. Foto: Dennis Albrecht |
Lest auch das Kinogespräch zu der Premiere:
KINOGESPRÄCH "Nur über meine Leiche"
Dienstag, 9. März 2021
ALEX ROSS: "Weak Heart Drop" und "Tom Atkin Blues"
PERSÖNLICHES GESPRÄCH mit ALEX ROSS
März 2021
Alex Ross: Danke der Nachfrage, mir geht es sehr gut. Ich habe jetzt ein Jahr lang von zu Hause aus gearbeitet – das kam nach drei Jahren, in denen ich beruflich viel unterwegs war. In vielerlei Hinsicht habe ich den längeren Aufenthalt zu Hause genossen. Es hat mir die Möglichkeit gegeben, über einige Dinge nachzudenken und eine neue Perspektive zu gewinnen.
Alex Ross: Das ist nun schon einige Zeit her. Damals hatte man das Gefühl, dass es möglich war, hier in Berlin Low-Budget-Filme zu machen und ein Kinopublikum zu finden. "Tom Atkins Blues" war eine bemerkenswerte Erfahrung, denn wir hätten nie erwartet, dass der Film so weit gehen würde, wie er es tat, was die Presseberichterstattung und Vorführungen angeht. Ich fühle immer noch eine gewisse Enttäuschung bei "Weak Heart Drop", da er in Bezug auf Kreativität und Handwerk definitiv mein vollständigster Film ist. Und meiner Meinung nach bietet er einige wirklich starke Darbietungen - Megan, Tessa & Meral kommen mir jedes Mal in den Sinn, wenn ich an den Film denke - es ist schade, dass sie nicht mehr Anerkennung für die Arbeit bekommen haben, die sie geleistet haben. Diejenigen, die zu den Vorführungen kamen, mochten den Film wirklich, aber wir konnten einfach keinen Weg finden, ein Publikum auf die gleiche Weise zu erreichen, wie wir es mit "Tom Atkins Blues" getan haben. Im Oktober 2019 hatten wir eine Vorführung von "Tom Atkins Blues" im Acud Kino, die eine der besten war, die wir je hatten, und doppelt lohnend, da es fast 10 Jahre her war, dass der Film zum ersten Mal gezeigt wurde. Das ist das Beste, was einem Filmemacher passieren kann!
UnsereFilme: In welchem Kino lief „Tom Atkins Blues“ ganze 54 Wochen?
Alex Ross: Das war das Sputnik Kino in Kreuzberg. Die Besitzerin Andrea hat uns unglaublich unterstützt, und in vielerlei Hinsicht hatte ich das Gefühl, dass das Thema von "Tom Atkins Blues"- der Kampf von etwas Kleinem und Individuellem gegen einen Konzern - genauso relevant für ein kleines unabhängiges Kino war. Wir zeigten den Film über ein Jahr lang jeden Sonntagabend in der Kino Bar. Das bedeutete, dass der Film statt einer kurzen täglichen Laufzeit ein Jahr lang auf der Liste stand und die Mundpropaganda weiterhin für ein Publikum sorgte.
UnsereFilme: Du hast versucht, die Filme jetzt online anzubieten. Wie ist dein Resümee?
Alex Ross: Ich habe es geschafft, beide Filme auf Amazon Prime zu bekommen, aber die niedrigen Zuschauerzahlen bedeuten, dass "Tom Atkins Blues" immer noch nur in Großbritannien und den USA verfügbar ist. Auch die Einnahmen, die man erhält, sind offen gesagt ein Witz. Ansonsten sind sie immer noch auf Kinoflimmern. Aber um ehrlich zu sein, schaut sich kaum jemand die Filme auf beiden Plattformen an. Die größte Herausforderung für einen wirklich unabhängigen Film ist es, eine tragfähige Plattform zu finden, um ein Publikum zu erreichen. Wir werden mittlerweile von Online-Inhalten überschwemmt und ich habe das Gefühl, dass diese Herausforderung fast unmöglich geworden ist.
UnsereFilme: Glaubst du, dass Kino kommt nach der Pandemie wieder? In welcher Form und mit welchem Auftrag?
Alex Ross: Das ist eine schwierige Frage. Die gesamte publikumsbasierte Kultur wurde von Covid unter Beschuss genommen und die Möglichkeit voller Spielstätten scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Man fragt sich schon, wie die Kultur aussehen wird, wenn wir zur Normalität zurückkehren. Ich persönlich kann nur hoffen, dass die Ära der aufgeblähten Actionfilme zu Ende geht, ebenso wie die Welle der Remakes von Filmen, die nicht mehr zu übertreffen sind. Wenn Hollywood sich nicht erholt, könnten einige Multiplexe schließen und sie könnten gezwungen sein, ihre Budgets und ihre Gewinnstrategie zu überdenken, was bereits geschieht. Paralleles Streaming und Kinoverleih ist wahrscheinlich der nächste logische Schritt. Was die unabhängigen Kinos angeht, weiß ich es nicht. Die Leute könnten sich einfach entscheiden, zu Hause zu bleiben und bei einem Glas Wein zu streamen, was immer sie wollen - und wer kann es ihnen verdenken. Ich fürchte eher, dass das Indie-Kino - und damit meine ich die Möglichkeit, Filme zu eigenen Bedingungen zu machen und zu vertreiben - am Ende ist. Ich hoffe, ich liege falsch.
Hier sind seine Filme zu finden:
JACOBS LEITER
Donnerstag, 4. Februar 2021
MARIA FUCHS, MIKE REICHENBACH & THOMAS HELD "Rote Rosen", "Die Wache" & "Sechserpack"
PERSÖNLICHE GESPRÄCHE Maria Fuchs, Thomas M. Held, Mike Reichenbach
"ICH-in Serie" 2011
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Maria Fuchs beim Gespräch 2011 im Streits Filmtheater Hamburg |
Wenn eine Langzeit-TV-Serie für den Zuschauer eine zweite Realität werden kann, wie ergeht es dann den Darstellern, die jeden Tag die Rollen spielen?
Dazu habe ich 10 Schauspieler in dem Projekt "ICH-in Serie" zum Interview gebeten.
In dieser Folge spricht Maria Fuchs über ihre inzwischen 13 Jahre bei der ARD-Soap "Rote Rosen" und über ihren berühmten Vater den Schauspieler Matthias Fuchs.
Außerdem kommt Mike Reichenbach zu Wort, der über 5 Jahre in der RTL-Serie "Die Wache" einen kontroversen Charakter spielte.
Auch Thomas M. Held aus der Comedy-Serie "Sechserpack" ist wieder unterwegs, der selbst mal 1 Jahr in einer ZDF Soap "Lena-Liebe meines Lebens" mitspielte.
Hier ist der Interviewfilm:
Mittwoch, 27. Januar 2021
AREND AGTHE: "Karakum"
FILMDISKUSSION MIT AREND AGTHE in der Buchhandlung "Rübezahl" in Dillenburg (28. Januar 1997)
Die kleine Buchhandlung RÜBEZAHL in Dillenburg ist ein guter Tipp in der Region. 1997 habe ich dort den Regisseur und Autor Arend Agthe kennenlernen dürfen. Er hat viele Filme für Kinder und Jugendliche gedreht. RETTET RAFFI war 2015 sein bisher letztes Werk. Aber FLUßFAHRT MIT HUHN ist dagegen sein bekanntester Film. KARAKUM lief damals im GLORIA KINO gleich gegenüber in dieser schönen kleinen Stadt in Mittelhessen, wo ich auch meine Kindheit und Jugend verbracht hatte.
Eigentlich wollte AREND AGTHE Lehrer werden, erzählte er an diesem Abend. Er hatte Germanistik studiert und Film war eher eine Liebhaberei. Er hatte eine 16mm Kamera mit einer Kurbel zum aufziehen. Mit diesem Motor konnte er Szenen von 20 Sekunden drehen. Ab der 12. Klasse hatte er im Dorf die Stelle eines Filmvorführers bekommen und im Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Marburg und Frankfurt drehte er mit Freunden Kurzfilme. Diese Werke, wie zum Beispiel ein Stummfilm namens "Der Klauer" (1969) schickte die Gruppe zu den Kurzfilmtagen in Oberhausen. "Der Klauer" gewann dann auch gleich den Kritikerpreis und wurde vom Fernsehen gezeigt. Mit dem Geld für die Ausstrahlung haben Arend und seine Freunde dann gleich den nächsten Film produziert. Zu dieser Zeit kam auch die SESAMSTRASSE nach Deutschland. Die ersten Folgen wurden in der originalen englischen Sprache übernommen und über die Stimmen von Ernie und Bert wurden einfach mit Deutsch darüber gesprochen, bis es eigene deutsche Beiträge gab. Dafür wurden Leute gesucht und Arend erzählte, dass es ziemlich leicht gewesen wäre, dort hinein zu kommen. Er schrieb kleine Geschichte, verfilmte Kinderlieder und wurde dann selbst zum Produzenten. Es war ein großes Experimentierfeld möglich, bis er dann zu den Jugend-Umwelt-Sendung LÖWENZAHN kam. Dort hat er dann mit Peter Lustig zusammen geschrieben und gearbeitet.
1983 drehte Agthe seinen ersten Kinospielfilm. In der Buchhandlung berichtete er von einer Revolution in der Kultur des Kinderfilms. Zu dieser Zeit sollte es nicht mehr "nur" Märchen geben, sondern eine Veränderung im Denken der Produzenten machte plötzlich mehr möglich. So drehte er mit 1,6 Millionen Mark den Film FLUßFAHRT MIT HUHN, dessen Dreharbeiten zweieinhalb Monate dauerten. Es wurde eine Achtungserfolg im Kino und er wurde damals sogar in die Sowjetunion verkauft und dort ausgezeichnet. Er wurde zu einer Vorstellung in einen Pionierpalast eingeladen, welcher beeindruckende 2600 Sitze hatte. Dort gab es aber nicht nur Lob, sondern auch Pfiffe. Einige Kinder hatten den Film abgelehnt und anders reagiert, als Agthe dachte. Trotzdem wurde er später in drei weitere Sowjetstaaten eingeladen, seinen Film dort persönlich vorzustellen.
So kam er nach Turkmenistan. Es ist ein Land, das zu 90 % aus Salzwüste besteht und dabei zweimal so groß ist, wie Frankreich. Die Hauptstadt Aschchabad hatte damals eine halbe Millionen Einwohner, wobei sich viele Stämme mischten. Die frühere Seidenstraße führt dort entlang. Agthe erzählte von einer dortigen Filmindustrie. Es gab ein Filmstudio, in dem bis zu 12 Spielfilme im Jahr auf 35mm und manchmal sogar auf Cinemascope produziert wurden. Fast jedes Dorf hatte ein eigenes kleines Kino.1988 hatte er dort Uzmaan Saparov, einen heimischen Filmemacher kennengelernt. Sie verstanden sich so gut, dass sie beschlossen, zusammenzuarbeiten. Sie wollten einen gemeinsamen Film machen. Jeder sollte eine Drehbuchfassung schreiben. Das musste in dem jeweiligen Heimatland geschehen, da Agthe zurück nach Deutschland musste.
Das Hauptthema sollte sein, dass ein deutscher und ein turkmenischer Junge sich in der Wüste verirren. Wie der deutsche Junge dort hinkommen sollte, war zunächst unwichtig.Agthe schrieb also seine Fassung. Doch die Verbindung nach Turkmenistan war schwierig, obwohl Gorbatschow damals an die Macht kam und sich die Sowjetunion ein Stück weit öffnete.9 Monate hörte Arend Agthe jedoch nichts von Uzmaan und telefonieren war auch nicht möglich. Alles was hinter Moskau lag, wurde als Post wohl erst gesammelt und dann nicht weiter geschickt.Doch eines Tages kam ein Brief aus Krakau, in dem Uzmaan seine Drehbuchfassung geschickt hatte. Beide Exposes waren auf ihren Wegen verloren gegangen.Der Hessische Rundfunk war an dem Stoff interessiert und machte ein neues Treffen in Frankfurt am Main möglich. Sie stellten sich gegenseitig ihre Ideen vor und bemerkten, dass sie sehr weit auseinander lagen.Nachdem ein Hamburger Filmproduzent in das Projekt einstieg, schrieben beide das Drehbuch innerhalb von 14 Tagen. Dabei fühlte sich Uzmaan in seinem kulturellen Verständnis immer wieder missverstanden. Der deutsche Junge sollte in der Geschichte verloren sein und der Turkmene sollte kreativ mit den Herausforderungen umgehen können. Als eine Schlange auftaucht, sollte der Turkmene sie töten, während der deutsche Junge nur vor Schreck erstarrt. Die Schlange sollte dann auch noch gegessen werden, so waren die Ideen von Agthe. Uzmaan machte deutlich, dass Turkmenen keine Schlangen essen würden. Selbst in einer Notlage wäre dies keine plausible Szenerie.
Ein weiterer Streitpunkt war dann die Plane vom LKW. Arend Agthe erzählte, dass in seiner Geschichte aus der Plane ein Segel für einen Strandsurfer gebaut werden sollten. Doch in Turkmenistan gab es einfach keine Lastwagen mit Planen. Es gab nur geschlossene Ladeflächen. So mussten sie einen LKW mit einer Plane aus Kiew ausstatten.
Ein weiterer Hauptdarsteller war eine Ziege, die im Notfall geschlachtet werden sollte. Der turkmenische Junge verteidigte die Ziege im Drehbuch mit seinem Leben. Diese Szene regte später bei einer deutschen Kinovorführung ein 9jähriges Mädchen sehr auf, eben wegen der drohende Schlachtung des Tieres. Für Europa war die Geschichte zu hart.
Ein Teilnehmer der Diskussion in der Buchhandlung fand diese Richtung jedoch gut. Es sollte nichts beschönigt werden, es ist eben das Leben auf dem Lande, das er auch selber erlebt hat. Ein Bauer peitscht manchmal die Kuh, doch oben auf dem Berg reibt er sie liebevoll mit dem Stroh trocken.
Dieser Vergleich gefiel Arend Agthe und er erzählte, dass er genau dies auch aussagen wollte. Der verwöhnte deutsche Junge sollte gestärkt aus der fremden Kultur und der Krise hervorgehen. Auf die Frage, was Arend Agthe mit dem Film KARAKUM erreichen wollte, antwortete er, dass er zwei Kinder in eine aussergewöhnliche Situation bringen wollte, die damit eine Gradwanderung durchleben. Es sollte von einer Freundschaft erzählen, die non-verbal entsteht und es auch zu einem Happy End bringt.
Ein Teilnehmer wollte wissen, welche Sprache der turkmenische Junge bevorzugte. Agthe antwortete, dass er russisch sprach, da nur noch wenige Jugendliche die originale turkmenische Sprache beherrschten. Selbst die turkmenischen Filme haben haben russische Untertitel, damit die Jugend die wichtigsten Szenen verstehen.
Am Ende wurde ein gewisses Urverhalten besprochen. Die Jungs haben einen klassischen Konflikt, zwei Kulturen prallten da aufeinander. Und Agthe zitierte den deutschen Jungen aus seinem Film: "Ich verlange, dass man mich sofort hier herausholt!"Mitten in der Wüste sagte er dies und erwartete sofortige Hilfe von außen.Dies machte für Aghte den kulturelle Unterschied aus und lässt die zwei Arten von Leben am stärksten zeigen.
Dann kündigte Arend Agthe noch an, dass er als nächstes ein norddeutsches Märchen verfilmen wollte.
Es war für mich in jenem Jahr ein wunderschöner Dienstag Abend in der Buchhandlung. Dies waren die ersten Berührungspunkte mit dem Thema "Filme machen". Ein Profi erzählte und ich lernte allein von dem Gespräch unglaublich viel. 2 Jahre später zog ich jedoch weg aus Hessen. Im "Rübezahl" war ich seitdem nicht mehr, doch den Laden gibt es bis heute. Vielleicht gibt es sogar noch Lesungen, aber Filmemacher kommen bestimmt nicht oft vorbei. Das war schon 1997 eine super interessante Rarität.
Dienstag, 19. Januar 2021
LARS JESSEN: "Jennifer-Sehnsucht nach was Besseres"
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| LARS JESSEN auf imdb Der deutsche Regisseur in seinem Hamburger Büro (Foto: Dennis Albrecht) |
Der norddeutsche Regisseur ist bekannt für Kinofilme wie "Fraktus" oder "Der Tag, an dem Bobby Ewing starb". Er hat viele Fernsehfilme gedreht, sowie Serien wie das "Großstadtrevier". Die kleine Comedy-Serie "Jennifer-Sehnsucht nach was Besseres" mit Olli Dietrich und Klaas Heufer-Umlauf ist aber sein eigenes Baby. Sieht er sich als aber jetzt als deutscher Showrunner? Wie baut er die Figuren auf? In dem Gespräch geht es aber auch um Verwertung und Chancen der Online-Angebote.
Am 11. Oktober 2017 wurde im Rahmen der Initiative "UnsereFilme" das Interview mit Lars Jessen in seinem Büro geführt. Daraus wurde eine 10 Minuten lange Zusammenfassung erstellt.
Hier ist das Video-Interview:
Donnerstag, 7. Januar 2021
NICO SOMMER: "Lucky Loser"
KURZINTERVIEW NICO SOMMER
am 09.August 2017 im Passage Kino Hamburg.
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| NICO SOMMER auf imdb Foto: Dennis Albrecht |
UNSEREFILME: "Stiller Frühling" mit Tom Lass über "Familienfieber" zu "Lucky Loser". Wie würdest du selbst diesen Weg in drei Sätzen beschreiben?
NICO SOMMER: Die Stärken der Improvisation und des Dokumentarfilms habe ich dabei kennengelernt. Wege in den konventionelleren Spielfilm habe ich gesucht und gefunden. Zukünftig versuchend beides miteinander so in Einklang zu bringen, dass ein Mehrwert für den Spielfilm dabei herauskommt, das wäre mein Ziel.
UNSEREFILME: Bist du deinem Stil als Independent Regisseur treu geblieben oder muss man bei solch einer Produktion, wie deinem neuen Kinofilm anders arbeiten?
NICO SOMMER: Ich versuche meinem Stil, sofern es wirklich schon einer ist, treu zu bleiben und diesen zu perfektionieren, zu erweitern, zu verbessern. Das hat weniger etwas mit Independent zu tun, als mit dem Anspruch an Geschichten. Bei einer Independent-Produktion hast du die größeren Freiräume, aber dafür auch die schlechtere finanzielle Ausstattung.
UNSEREFILME: Hättest du eine kleine Idee, wie wieder mehr deutsche Filme gesehen werden könnten?
NICO SOMMER: Kino sollten dazu verpflichtet werden eine Quote zu erfüllen, ähnlich der Radioquote mit deutschsprachigen Musikern oder Bands. Ein Zwang zur Akzeptanz, dass Zuschauerzahlen der Festivals in die offizielle Kinozuschauerzahl mit einfließen kann für deutsche Filme nützlich sein. Eine größere und breitere Förderung von Verleih und Vertrieb von deutschen Filmen würde auch helfen. Eine Kürzung der Förderung für internationale Filmproduktionen sollte trotzdem beibehalten werden. Die Sperrfristen sollten variabler gehandhabt werden, vor allem bei Filmen mit einem Budget von unter 1. Millionen Euro.
UNSEREFILME: Vielen Dank an Nico Sommer für das kurze Interview.
Dienstag, 29. Dezember 2020
RAINER MATSUTANI: "Nur über meine Leiche"
KINODISKUSSION MIT RAINER MATSUTANI (Regie) UND KATJA RIEMANN (Hauptrolle)
im Kino "ROYAL FILMPALAST" in Berlin (07.08.1995)
und im Kino "GLORIA" in Dillenburg (23.08.1995)
Rainer Matsutani: Wenn zunächst keine Fragen sind, würde ich einfach mal so von dem Film erzählen: Denn unser größtes Problem war zunächst das Drehbuch. Die Idee war schon etwas älter und war für einen 15minütigen Kurzfilm gedacht, den ich an der Filmhochschule in München drehen wollte. Doch der Professor ließ die Realisierung nicht zu. Später habe ich mich noch einmal mit meinem Co-Autor Sebastian Niemann zusammengesetzt und wir schrieben eine Version mit 40 Minuten. Diese wollte ich dann als Abschlussfilm verwenden. Doch noch einmal wurde das Projekt abgelehnt, aus Kostengründen. 1993 reichten wir das Script beim Bayrischen Rundfunk ein, wo man sofort sehr interessiert war, jedoch brauchte man ein Buch in Spielfilmlänge. So mussten wir noch einmal eine lange Fassung schreiben. Fred, die Hauptfigur bekam anstatt einer Aufgabe, wie es ursprünglich war, nun drei Aufgaben.
Zuschauer: Dies ist ja nun eine ungewöhnliche Genremixtur für einen deutschen Film. Gab es Schwierigkeiten dafür Geld aufzutreiben?
Rainer Matsutani: Eigentlich nicht. Doch wir hatten auch viel Geld eingespart, wir hatten richtige Low-Budget Drehbedingungen. Viele der Beteiligten arbeiteten weit unter ihrem Lohn. Auch Katja Riemann verzichtete auf viel Gage, obwohl sie ja schon sehr bekannt ist. Sie will wirklich noch etwas verändern im deutschen Film und unterstützt junge Regisseure, die Kinofilme machen wollen. Im Fernsehen könnte sie ja weitaus mehr verdienen.
Zuschauer: Wie viel Geld hatten sie denn zur Verfügung?
Rainer Matsutani: Wir hatten 3,8 Millionen DM zur Verfügung. Doch das meiste ging dabei für die Special- Effects drauf. Durch die frühe Zusage von Katja war jedoch die Filmförderung schnell gesichert.
Zuschauer: Sie konnten ja auf eine sehr gute Auslese an Schauspielern zurückgreifen. Wie kam das zustande?
Katja Riemann: Ich kannte bereits Rainers Kurzfilm "Klinik des Grauens" und als ich das Drehbuch gelesen hatte, rief ich ihn sofort an und sagte, dass ich auf jeden Fall dabei wäre. Und bei den anderen war es wohl ähnlich, es war einfach ein gutes Buch, eine gute Idee!
Rainer Matsutani: Und Udo Kier sagte: "Da spielt ein Truthahn mit, da muss ich auch dabei sein!"
Zuschauer: Genau! Können sie uns mehr über den Truthahn erzählen!?
Rainer Matsutani: Natürlich! Da gab es erst einmal drei verschiedene Versionen dieser Figur. Einmal eine voll animierte Puppe mit einem hydraulischen Metallskelett, das eine gute Mimik und Gestik für Nahaufnahmen ermöglichte. Die zweite Ausführung war ferngesteuert, für die totalen Bildeinstellungen. Als drittes Modell gab es noch einen Dummy zum einleuchten und für Actionszenen, wenn der Truthahn mal an die Wand fliegen musste oder so.
Katja Riemann: Dazu muss man noch erwähnen, dass Christoph Orth gar nicht zurecht kam mit der Puppe. Er hat sie regelrecht gehasst!
Rainer Matsutani: Dagegen hat Katja den Truthahn geradezu geliebt!
Zuschauer: Wie war das mit den anderen Effekten? Die können sich ja, im Vergleich zu amerikanischen Filmen, durchaus sehen lassen!
Rainer Matsutani: Erst einmal "Danke" für dieses Kompliment, denn wir waren auch ein sehr junges Team. Und da kommt so etwas immer gut. Ja, die Special-Effects waren zum größten Teil von Roland Emmerichs Firma MAGICON hergestellt worden. Besonders die digitalen Effekte, wie zum Beispiel der Geist im Hochhaus, waren sehr kostspielig und zeitaufwendig. Das glaubt man zunächst gar nicht, was das kostet. Wenn der Geist sich in tausend goldene Funken auflöst, dass ist eine Szene von ein paar Sekunden, hat aber die meiste Arbeit gemacht. Dagegen mussten wir eben an anderen Figuren sparen. "Käpt`n Nemo" der Monsterfisch war zum Beispiel wirklich aus der Not geboren. In letzter Sekunde und so gut wie umsonst, baute man ihn aus Holz und Leim zusammen.
Zuschauer: Wie war eigentlich die Zusammenarbeit mit Udo Kier? Er hat ja seit dem Auftritt in Madonnas Video auch einen internationalen Status eines Stars!
Rainer Matsutani: Ach, das war eigentlich ganz gut mit ihm. Er ist ganz lustig! Hat eigentlich jemand verstanden, was er am Ende gesagt hat? Nein, nicht! Diese Szene war nämlich gar nicht vorgesehen! Kurz vor seinem Abflug nach Amerika sagte er uns plötzlich, dass er eine Idee hätte. Wir sollten doch die Kamera noch mal aufbauen. Ich wusste nicht was er vorhatte, doch wir bauten alles noch einmal vor dem Auto auf. Udo kroch in den Kofferraum, die Kamera surrte und Udo stammelte noch den Satz: "En-de! Doch... das…Leben... geht... weiter!" Ich überlegte dann, ob ich wirklich diese Szene nehmen sollte, doch ich fand, dass solch eine abgefahrene Szene ganz gut zum Ende passt.
Zuschauer: Mir ist noch die Rolle von "Frosch" vom schauspielerischen Punkt sehr positiv aufgefallen. Wer ist das? Das war ja vielleicht der neue deutsche Woody Allen!
Rainer Matsutani: Das ist Felix Eitner. Ihn als Woody Allen des deutschen Filmes zu bezeichnen, weiß nicht, ob das passt. Das sehe ich nicht so.
Zuschauer: Dann vielleicht als deutsche Antwort auf Rick Moranis!
Rainer Matsutani: Aber um noch einmal zu dem Truthahn zurückzukommen: Wer hat denn die Stimme erkannt?
Zuschauer: Golden Girls!!!
Rainer Matsutani: Ja, genau! Barbara Ratthey! Ich war echt froh, dass ich sie bekommen habe. Niemand hätte sonst zur Stimme eines Truthahns gepasst. Übrigens sollte der Truthahn eigentlich nackt bleiben. Doch das war den Leuten vom Bayerischen Rundfunk dann doch etwas zu obszön. So verpassten man der wieder geborenen Mutter kurzerhand ein Kleid!
Zuschauer: Warum ist der Co-Autor Sebastian Niemann heute nicht hier?
Rainer Matsutani: Er konnte leider nicht kommen, aber dafür haben wir ja Katja hier, die gerade hier in Berlin dreht und einfach mal vorbeikommen konnte. Aber Sebastian hat auch in "Nur über meine Leiche" mitgespielt! Er war in dem Auto, das an Lisa vorbeifuhr, als sie abgehauen war. Außerdem war von ihm der Kurzfilm, der als Vorfilm lief.
Zuschauer: Falls "Nur über meine Leiche " ein Erfolg werden sollte, würden sie dann auch mal über den großen Teich schielen, wie Roland Emmerich oder Wolfgang Petersen?
Rainer Matsutani: Nein, ich glaube nicht. Erst einmal habe ich hier in Deutschland vielleicht noch einige Möglichkeiten weiterzuarbeiten. Die ARD plant gerade eine Reihe von drei Spielfilmen, die alle ebenfalls im phantastischen Genre angesiedelt sind, so ähnlich wie “Twillight Zone“. Katja Riemann spielt auch wieder mit. Doch trotz ihrer Zusage verläuft die Planung noch sehr zögerlich. Es kommt wahrscheinlich darauf an, ob "Nur über meine Leiche" ein Erfolg wird. Das Genre ist für die meisten Redaktionsstübchen doch ein ziemliches Hindernis. Außerdem schreibe ich gerade ein Drehbuch für einen Thriller, der in Berlin spielt. Deswegen muss ich jetzt erst einmal nach Berlin umziehen. Denn es ist schwer eine Story in München zu schreiben, die in Berlin spielt. Aber die Idee ist wirklich sehr gut und ich komme dann mal von den Fantasy-Komödien weg.
Katka Riemann: Ach ja, ich will auch bald nach Berlin umziehen und suche noch eine Wohnung. Wer hier eine anzubieten hat, soll sich doch mal bei mir melden!
Zuschauer: Frau Riemann, wie werden sie zur Zeit mit ihrem neuen Status als deutscher Filmstar fertig?
Katja Riemann: Ach, eigentlich ganz gut, nur letztens ist mir etwas Peinliches passiert. Ich wollte mal wieder ins Kino gehen, einen Film ansehen, doch als ich das Foyer betrat, sah ich mein Gesicht überall auf Plakaten. Dann ging ich raus und sah, dass in diesem Kino noch einmal eine Wiederaufführung von "Abgeschminkt" lief. Da bin ich nicht mehr rein gegangen, war mir irgendwie zu blöd.
(Die Gesprächsaufzeichnungen sind ohne technische Mittel nach Gedächtnisprotokoll entstanden)
MATTHIAS HUES "Karate Tiger 2", "Dark Angel" und "Legion Of The Dead"
PERSÖNLICHES INTERVIEW mit MATTHIAS HUES Foto von Dennis Albrecht am Set von „Legion Of The Dead“ Fragen von Christian Witte: Du hast mit...

















